Das Silicon Valley, Ursprung der Digitalisierung und Machtführer in vielen technischen Branchen. Keese geht in seinem Buch auf seine Erfahrungen und Eindrücke aus dem Tal der Innovationen ein und bringt dem Leser die digitale Welt ein großes Stück näher. Da er als Mitarbeiter des Springer-Verlages dort eine Zeit lang beruflich wohnte und auch mit vielen Insidern der Branche sprach, ist dieses Buch am Puls der Zeit und wie sein Nachfolger-Buch Silicon Germany hochinteressant und brandaktuell.
Anfangs beschreibt Keese das Silicon Valley sehr detailliert, sodass der Leser sich das Tal bildlich vorstellen kann, außerdem geht er auf die analoge Arbeitskultur ein, das heißt, das man nur wahrgenommen wird, wenn man physisch vor Ort ist, da im Silicon Valley trotz neuester Technik und Kommunikation, ein persönliches Treffen noch am meisten zählt und alleine Zuhause arbeiten verpöhnt ist. Der erste Punkt der mich über das Silicon Valley erstaunte, da ich dachte, die Kommunikation würde dort per Videotelefonie und digital geregelt und Home Office sei dort allgegenwärtig. Anschließend geht er auf die Stanford Universität ein und die Gründermentalität im Silicon Valley. Die Kultur dort ist ein ständiger, schnelllebiger und innovativer Testlauf verschiedenster neuer Ideen und Einstellungen, nur die besten bleiben bestehen. Jedoch ist die Kultur vollkommen anders, da man hier in Deutschland sobald man mit einer Idee gescheitert ist, als Versager gilt und von der Gesellschaft außen vor gelassen wird. Dagegen im Silicon Valley und allgemein in den USA zählt scheitern als hohes Gut, da man wichtige Erfahrungen gemacht hat, wertvolle Informationen besitzt die andere, welche noch nicht gescheitert sind nicht haben.
Später im Buch geht er auf die Plattformen, wie Google, Apple, Facebook, Amazon ein, die eine unermessliche Macht aufgrund des Netzwerkeffektes (je größer Netzwerk, desto mehr Kunden zieht es an, desto größer wird wiederum seine Macht) haben, kaum rechtliche Vorgaben einhalten müssen, Steuern umgehen und nur einen aberwitzigen Anteil Steuern wirklich zahlen und den Nutzern aufgrund ihrer Macht jegliche AGB´s aufdrücken können, ohne dass diese sich ernsthaft dagegen wehren könne, es sei denn sie meiden die Netzwerke. Er geht somit auf die eben angesprochenen negativen Seiten ein, betont aber auch die positiven Effekte die Plattformen haben, wie das vorantreiben von Innovationen und das Vereinfachen von Abläufen. Plattformen haben deswegen so viel Macht, da sie jegliche Daten des Nutzers bekommen, wie beispielsweise Bewegungsmuster, Einkaufsmuster, Vorlieben und somit die Werbung optimal auf die einzelnen Menschen zugeschnitten werden kann, sodass der Mensch von den Unternehmen regelrecht gesteuert werden kann ohne dass er es wirklich mitbekommt. Diese Daten sind mehr wert als alle anderen physischen Gegenstände dieser Welt, da man mit deren Hilfe wie angesprochen Menschen lenken und Verhalten beeinflussen kann und somit auch die Geldströme beeinflusst.
Des Weiteren geht er auf Deutschland ein und gibt Wege vor, um auch hier Digitalisierung empfänglich zu machen und etwas von dem Kuchen abzubekommen, der die Zukunft darstellt. Zum Beispiel müsste Deutschland eine Venture Capital Gesellschaft unterstützen mit Gesetzen bzw. Freiheiten um Gründern die Möglichkeit zu geben, Innovationen möglich zu machen und ähnliche Unternehmen gründen zu können, wie es im Silicon Valley der Fall ist. 15 Milliarden € Wagniskapital sind es im Silicon Valley, in Deutschland 20 mal weniger. Das Problem ist nämlich, dass in Deutschland aufgrund der Gesetzeslage und der altbackenen Bürokratie, das Gründen sehr schwer fällt und die meisten Ideen und Konzepte sofort von den Technischen-Riesen geschluckt werden und Deutschland dann wiederum das Nachsehen hat, da es die Steuern nicht bekommt, die das Unternehmen mit deutschem Sitz gezahlt hätte. Es kommt zu einem Teufelskreislauf, da Deutschland zu wenig in Innovationskultur investiert, die Investitionen von anderen Ländern geschluckt werden, aus Deutschland abgezogen werden und Deutschland dann wieder kein Geld in die Wirtschaft gespült bekommt. Wir müssen also zusehen, dass Deutschland umstrukturiert wird, was Gesetzte und Kultur angeht, um nicht von einem ehemaligen Innovations- und Erfinderland zu einem Produzentenland abzurutschen und sich der riesigen Macht der Länder wie beispielsweise USA oder anderen Innovationsländern beugen zu müssen.
In Summe ein brandaktuelles Buch, welches faszinierende Einblicke in eine Branche gibt, welche jetzt schon eine Weltmacht ist und mit Zukunftsvisionen spielt und somit den Leser noch weiter fesselt. Außerdem gibt Keese Ausblicke in die Zukunft Deutschlands und des Silicon Valleys und stellt Thesen auf, wie wir in Deutschland in Zukunft auch teilhaben können an der Innovationskultur und eine Gründermentalität bekommen können durch Strukturreformen und Umdenken in unseren Köpfen.
Sehr empfehlenswert für Leute die sich mit Digitalisierung, Macht und Machtmissbrauch von Plattformen wie Apple, Facebook, Amazon und Co. und vielen interessanten Insights über das Silicon Valley und dessen Kultur interessieren.
Mein Rating: 5/5
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